Der Thomas 2

In meinem Neubaublock (heute Altbaublock) in Langenberg lebte die Familie meines Freundes, dort durften wir Westfernsehen schauen.

Bonanza und Rauchende Colts lief immer am Mittwoch in der Westernzeit. Es lebt dort auch eine ältere Frau die Schokoladenfiguren sammelte und nie eine ab gab.

Fünf Eisenbahnschwellen übereinander gestapelt ergaben ein Boot und in dem Sandkasten vor dem Haus konnte man mit seinem Freund so versinken, dass wir  einmal nicht gefunden wurde, obwohl die gesamte Gemeinschaft suchte.

Mit einem Bus mit Anhänger fuhr man nach Köstritz ins Freibad.

Meine wichtigste Tat in dieser Zeit? Ich war mal wieder langsam beim anziehen und so verpasste meine Oma ihren Bus. Dieser hatte später einen Unfall und rutschte in einen Graben. Niemand kam zu Schaden, ich fühlte mich aber riesig.

Mit meinem Dreirad war ich schnell. 

Mit meinem Roller war ich der Schnellste, so schnell, dass ich stürzte und mich am Griff stieß. Mit dem Rettungswagen ging es ins Krankenhaus. Dort wurde ich genäht. 

Meinen ersten Toten sah ich zwar nicht, aber ich wusste, dass der Junge aus meinem Kindergarten, der auf der Straße unter der Plane lag tot war. Er war seinem Ball auf die Straße gefolgt und wurde überfahren. Sein Blut sah man noch lange auf der Straße. 

So glaubte ich den Worten meiner Mutter und schaute ab da immer nach links und rechts.

Ich erhielt die sozialistische Namensgebung. Die Taufe war einfach zu christlich. Meine Mutter Therese schaut ein wenig skeptisch. 

Wir hatten einen Karpfen in der Badewanne. Dieser wurde Weihnachten gegessen. Das Wasser zum Baden musste immer erst angeheizt werden. 

Am Bahnhof zu spielen war mit das schönste. Dort stand ein altes kaputtes Auto und in den Bahndammhecken gab es Brombeeren. 

Das Erlebnis, auf der einen Seite des Haus Regen zu haben und auf der anderen Seite nichts, hab ich mir bis heute gemerkt.

Oft wurde gefeiert, die Hausgemeinschaft traf sich und ich schaute aus dem Fenster zu. 

Es gab einen Gemeinschaftswaschraum, dort stand eine Mangel und ein großer Wasserbehälter. In diesem wurde das Wasser erhitzt und die Wäsche gewaschen. 

Mit meiner Oma und Mutter führten wir lange Spaziergänge am Fluss durch und meinen erster Gruselfilm sah ich durch das Schlüsselloch. „Der Hund von Baskavill“

Wenn man nach Gera wollte, musste man erst mit dem Bus und dann mit der Straßenbahn fahren. Die Eisdiele an der Ecke der Sorge und die Besuche bei Onkel Walter, in dem dunklen Haus und der dunklen Wohnung waren sich wiederholende Gründe für die Ausflüge. 

Meine Mutter sang im Singeclub im Kulturhaus, so lernte ich viele Kampflieder. Die ersten Strophen kenne ich heut noch. Mein Lieblingslied war „Roter Wedding„. 

Heute ist der Schutt zugeschüttet, die Schwellen sind weg und der Schornstein ist auch verschwunden. Das Kino in dem Wellblechhaus und auch die Geschäfte existieren nicht mehr. Nur die Häuser stehen noch. Das einzige Möbelstück aus dieser Zeit war ein Kleiderschrank. Von diesem existiert jetzt nur noch eine Außenwand. Diese stand damals an meinem Gitterbett und ist mit Autoabziehbildern beklebt.

Meine Mutter heiratete und meine Zeit in Langenberg endete. 

Der neue Mann im Leben meiner Mutter beeindruckte meine Mutter wohl sehr. Wenig beeindruckend fanden mich seine Eltern. Auf den Hochzeitsbildern stehe ich immer nur störend herum. Gefeiert wurde auf Burg Greifenstein in Bad Blankenburg. 

Warum auch immer bekam ich eine Plaste MPi geschenkt, diese fiel leider in den Schlossbrunnen. Es interessierte aber niemanden. 
Bald danach hieß es nicht nur von Langenberg Abschied nehmen, auch von meiner Oma musste ich mich verabschieden. 

Meine Zeit in Sansibar begann. 

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