Trauer 

Die Trauer hat mich erwischt. Auf Arbeit, im Dienst. 

Ein Mädchen dessen Opa am Wochenende gestorben war wollte nicht zur Schule. Ich hatte den Hintergrunddienst und war somit für all die unlustigen jungen Menschen bei uns zuständig die nicht zur Schule wollen. 

Petra wollte nicht und lief mit versteinerter Miene den Flur auf und ab. Dabei schoss sie ihren Hausschuhe wie ein Ball vor sich her. Sprechen war für sie anscheinend keine Option und eine Reaktion auf mich erfolgte nicht. 
So nahm ich Stühle und stellte sie auf ihre Laufstrecke. Sie könne so gleich noch Tore schießen üben. Das fand sie aber nicht lustig und setzte sich. 

Ich versuchte nun auszuloten was der Grund für ihr Verhalten war. Sie begann auf meine Fragen mit zucken zu antworten. Als ich auf ihren vor kurzen verstorbenen Opa kam, nickte sie. 

Ich sagte ihr das ich ihren Gemütszustand verstehen würde und sie heute einfach neben mir herlaufen könne. Dem stimmte ich zu und wir gingen los. 

Ich entschuldigte sie in der Schule und begann meinen Rundgang. Im Gärtnerhaus schauen nach wie weit die Renovierungsarbeiten sind, der Garten wurde inspiziert und dann ging es zu den Pferden. Dort wartete schon mein anderes Sorgenkind. 

Die schulunwillige Sybille hatte die Aufgabe den Pferdebereich zu säubern um später zum Klavierunterricht und dann zu den letzten zwei Stunden in die Schule zu gehen. 

Petra und ich beschlossen mitzuarbeiten. 

Dabei unterhielt ich mich mit Petra über Verlust und Tod. Sie begann zu erzählen und entspannte sich dabei. Als ich über den Tod meiner Oma sprach und welche Gefühle ich damals hatte, durchströmte es mich und ich wurde von Trauer erfasst. 

Das Gespräch zwischen uns wurde auf Augenhöhe geführt, zwei betroffene Menschen, die selben Gefühle. 

Durch die Erkenntnisse die ich auf Grund des länger zurückliegenden Todes meiner Oma erfahren hatte, konnte ich diese an Petra weitergeben. 

Ihre Vorwürfe an sich selbst, nicht oft genug zu ihm gefahren zu sein, deckten sich mit meinen. 

Offene Fragen konnten nicht mehr beantwortet, Rezepte nicht mehr ausgetauscht und Entschuldigungen nicht mehr getätigt werden. 

Dieses starke Gefühl dass einen befällt, welches traurig macht und vordergründig nichts mit dem Verlust eines Menschen zu tun hat, dieses Gefühl begleitet einen das restliche Leben. Das ist aber auch eine Verbindung die man zu diesem Menschen hat. Erinnerung, Trauer, schöne und nicht so schöne Erlebnisse. 

Ich sagte ihr das diese Gefühle immer wieder über sie kommen würden. In den unmöglichsten Momenten und es ein Buch gibt, Die Stadt der Toten, in dem es darum geht, dass die Toten erst dann wirklich vergehen, wenn niemand mehr an sie denkt.  

Das Besinnen auf schöne Momente, macht die Trauer erträglicher. Die Trauer als egoistische Denkweise ist schwer ertragbar.

Meine Oma war ein enorm wichtiger Mensch in meinem Leben. 

Sie hat mich aufgefangen, mich ertragen, mich beschützt und mir den liebevollen Rahmen gegeben den ich benötigte um mich zu entwickeln. 

Sie hat in mir den positiven Thomas am Leben erhalten und es mir ermöglicht, diesen auch wieder zu erleben. 

Ich habe so viele schöne Erinnerungen an mein Leben mir mir, ich muss graben um etwas anderes zu finden. Ich finde nichts. 

Sie war so voller Liebe zu mir, dass sie es schwer hatte mich mit andere Menschen zu teilen. 

Ich finde es traurig, dass sie mein jetziges Leben nicht erleben kann, sie wäre glücklich. 

Omi du bekommst einen eigenen Beitrag.  

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