Der Thomas 4

Sansibar Teil 1

Sansibar Teil 2

An die Safari in Tansania kann ich mich kaum erinnern. Hängen geblieben sind der Blick von der Terrasse, man schaute auf eine Tränke mit Elefanten und Zebras und die Flusspferde an einem Tümpel. Drei Tage sind dafür wohl auch zu kurz um sich im Gedächtnis einzubrennen.

Es hätte auch das Ende für uns sein können. Auf dem Rückweg fuhr eine Kipplader rückwärts auf unseren Fiat. Das Auto war Schrott und wir hatten zum Glück nur Beulen, Schrammen und einen enormen Schrecken davon getragen. Das Auto wurde von Italienern wieder zusammengesetzt. Wir waren damit in einem Land, wo fahrende Schrottautos keine Seltenheit sind, immer noch ein Hingucker.

In der Schule wurde es nicht besser, ich auch nicht. Mein Eltern versuchten, Stubenarrest, 3 1/2 Tage Liebesentzug, alleine essen, Extraaufgaben, nichts half.

Heute verzweifel meine Mutter das sie die Möglichkeiten die sich damals boten nicht genutzt hat. Unterricht am Strand und keine festen Unterrichtszeiten.

Als meine Mutter im Juni 1972 zur Entbindung meiner Schwester nach Hause flog musste ich mit. Obwohl das Musste mehr Freude als Leid war. Wir wohnten bei meiner geliebten Oma in Weida und dort kam Artemis zur Welt. Ich ging in die Max-Greil-Schule und bekam den Spitznamen Affe. Keine Ahnung warum.
Die Freunde die ich dort kennenlernte begleiteten mich dann die nächsten acht Jahre.

Von der  Schule kann ich mich nur an eines erinnern, mir wurde mein selbstgebasteltes Briefmarkenalbum weggenommen. Am Ende fand es der Lehrer nicht wieder, klar, waren ja auch viele Tansania Briefmarken drinnen und die waren selten in der DDR.

Zusammen mit meiner Schwester flogen wir wieder nach Sansibar. Jetzt war ich wenigstens in der Nacht nicht mehr allein, ich war für meine Schwester verantwortlich und windelte sie auch. Zum Glück wurde auch das schimpfen geteilt.

Um nicht „Thomas allein zu Haus“ zu sein, hielt ich mich Nachts oft im Garten auf. Mein Hund Schecki begleitete mich. An Schlangen habe ich da nicht gedacht.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Eigentlich sollte Schecki ein Affe sein, wir hatten schon eine Häuschen im Garten zum Affenhaus umgebaut. Es wurde aber der Hund. Mein Hund.

Ostern 1973 verbrachten wir im africana Hotel in Tansania. An dieses Hotel habe ich die Erinnerung deutsch sprechende Menschen zu treffen (Neckermann Hotel) und an mein verletztes Bein. Ich war kurz vor dem Abflug aufs Festland hingefallen und hatte mich an einer Glasscherbe verletzt. Diese Verletzung zog sich vom Knie bis zum Schienbein hin, die Narben kann man heute noch bestaunen. Ich durfte somit nicht ins Wasser. Mein geliebter Stiefvater sagte mit, im Pool sitzend, spring doch rein. Ich wollte, wurde aber sofort zurück gepfiffen. Ha ha ha, was für ein Witz.

Vom USA Konsul, unserem Nachbarn klaute ich die Muscheln die er zum Trocknen hinlegte. Das war mein Kampf gegen den Imperialismus. Bei ihm im Garten fiel ich auch vom Baum und brach mir meine Schulter. Ich glaube das war Rache. Die Frau vom Konsul hatte mich fallen sehen, da wir keinen Kontakt zum Klassenfeind haben durften, konnte meine Mutter die angebotene Hilfe nicht annehmen. Meine Mutter bemerkte den Bruch auch erst als ich in der Dusche umkippte. Ich sagte nichts weil ich nach dem Baden im Meer gleich duschen sollte, ich wollte aber klettern. Chinesische „Ärzte“ reparierten mich so, dass die Ärzte in Weida mich später herum zeigten. Solch einen Gipsarm hatten sie noch nicht gesehen und dieser Gips war der zweite Versuch. Der erste war noch monströser und für mich nicht erträglich. Damit ich den zweiten tragen konnte, wurde ein Stütze befestigt die den Arm und meine Hüfte verband. Meine Mutter musste den „Ärzten“ erst sagen, dass ich vor dem Richten des Bruches eine Betäubung bräuchte. Widerwillig setzten sie mir dann im Fahrstuhl eine Maske auf und ich wurde mit Chloroform betäubt. Mein Erbrochenes wurde einfach nur weggespült.

Der andere USA Nachbar hatte eine Meerkatze. Diese war nicht so beliebt, aber ich konnte mit ihr spielen und sie lauste mich dafür. Gefürchtet war sie bei Katzen, meinem Hund und bei denen die Fenster offen ließen. Babypulver, Creme und Reis überall verteilt ist nicht schön.

Bei einem Besuch auf dem Rummel bekam ich einen ferngesteuerten Panzer geschenkt. Dieser wurde dann aber, am Ende meines Aufenthaltes in Sansibar, ohne mich zu fragen an arme Kinder verschenkt. Genauso erging es meinen anderen Autos und Spielzeug. Auf der Innenseite der Autos stand Pepsi oder Coca Cola. Schon damals wurde aus diesen Dosen Spielzeugautos gefertigt. Heute kann man sie in Eine Welt Läden kaufen. Das einzige Spielzeug aus Sansibar, was ich lange besessen habe, ist jetzt leider verschollen, ein Holzschiff.

Dann sahen wir die ersten Fernsehversuche der Insel. Handlung: Zwei Männer sitzen auf einer Bank und reden eine halbe Stunde. Dafür haben wir Bekannte besucht. Auf einem dieser Besuche bemerkten wir eine Schlange auf der Straße. Meine Mutter und ich rannte davon, später sagte man uns, dass dies genau das falsche war. Schlangen sind schneller als Menschen.

Zwischen den Aufenthalten in Sansibar gab es Heimaturlaub. In dieser Zeit wurde immer genau aufgeteilt wo wir unseren Urlaub verbringen. Meine Oma und die Eltern meines Stiefvaters sollten nicht zu kurz kommen und über die gleiche Zeit verfügen.

Im Heimaturlaub 1973 sollte ich zur Überprüfung meiner schulischen Leistungen in Dresden zur Schule gehen. Leider wurde das Angebot meiner Oma ausgeschlagen und die Eltern von meinem Stiefvater erhielten den Zuschlag. Eine Rückkehr nach Sansibar war dann aber nicht mehr möglich. In Nahost brach der Jom Kippur Krieg aus. Der Luftraum über dem Gebiet wurde gesperrt und somit unsere Reiseroute nach Sansibar.

Damit war meine erste Afrikazeit vorzeitig beendet.

Advertisements

Ein Kommentar Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s