Potsdam Provinz 

Will man Provinz erleben, muss man nach Potsdam fahren. Hier entsteht gerade ein Vergnügungspark alter reicher Männer. Altes was nicht in dieses Bild passt wird abgerissen, dieses Alter ist aber begrenzt. Alles zwischen 1949 und 1989 ist verpönt, was davor stand, soll wieder auferstehen. Dafür werden Bürgerenscheide einfach für unrechtmäßig erklärt und durch Nichtinvestition Tatsachen geschaffen. Hilfestellung erhalten die alten Männer mit Geld (Joop, Jauch, Plattner und Co) vom SPD Bürgermeister, der dazumal mit Tricksereien an die Macht kam und nicht einmal aus Potsdam stammt. 

Das Alte soll wieder auferstehen, das an die DDR erinnernde muss weg. Das kleinbürgerliche, wie es Friedrich II wollte, zieht wieder in Potsdams Mitte ein. 

Es ist Wahnsinn wie deutlich der Unterschied zwischen Babelsberg (Nowawes) und Potsdam ist. Man kommt aus einer Kleinstadt Babelsberg in ein Nichts. Alle Straßen führen irgendwo hin, man denkt jetzt wird es interessant und dann ist schon wieder vorbei. Es gibt keine Mitte und alles wirkt eher wie eine Kulisse vom Filmstudio Babelsberg. 
Von Wichtigkeit geschwängert spielt sich in Potsdam das kleinbürgerliche Leben ab. Wirkliches Leben gibt es nicht, da wo vielleicht ein wenig Herz pulsiert hat es einen gewollten Anstrich. Jede Kleinstadt in Thüringen, hat mehr Ausstrahlung als diese, keine Ahnung wie ich das bezeichnen soll, Städtchen. Das kreative, unabhängige wird geduldet oder soll unterstreichen wie hip doch diese Stadt ist.

Wenn man durch Potsdam läuft, dann sieht man diese kreativen, freien, unabhängigen und ach so fortschrittlichen Menschen in ihren Uniformen herum laufen. Hipsterbart, Bioklamotten, Biogetränke, Bioessen, Bioschuhe und alle fahren diese Fahrräder mit Kindertransportbehältern. Jeder hält sich für was besonderes und doch sehen sie alle irgendwie gleichförmig aus und verhalten sich auch so. Das studentische Leben wird derweil aus der Stadt ausquartiert. Ein Campus mitten in der Stadt? Schrecklich. 

Gespräche drehen sich um den eigenen Erfolg, man erwartet nur das Zuhören, selber will man das nicht. Man ist genervt über problematische Gesprächsthemen und macht sich bei Facebook lustig über Menschen die sich wirklich engagieren. Über Freiheit wird viel gesprochen, es geht da aber nur um die eigene Freiheit. Demonstration gegen AfD und Co werden teilweise mehr als Problem angesehen, als der Grund warum demonstriert wird.

Die neue Freiheit nimmt immer mehr Kontur an, diese Freiheit spiegelt ist sich in 

  • Fahrradfahrern die sich an 0 Regeln halten, 
  • an Autofahrern die sich an 0 Regeln halten, 
  • an Fußgängern die sich an 0 Regeln halten.

Regeln ist was für dämliche Leute, oder für ewig Gestrige.

Warum ich hier wohne? Diese Frage stelle ich mir täglich, es ist nicht wirklich die Umgebung die ich für meine Kinder möchte. Es ist ja nicht so das Babelsberg anders tickt als Potsdam. Aber hier leben noch viele Alteingesessene, hier wird teilweise noch echt und ungekünstelt gelebt, hier lebt noch Kreativität und Wiederstand. Aber auch hier wird zugezogen und es ist manchmal so als ob man durch einen Film läuft. Blondes langhaariges Mädchen mit weißer Bluse und Rock, ein blonder Bubikopfjunge im Matrosenanzug, die schlanke blonde Frau im dunklen Kleid und der smarte, durchtrainierte Banker schreiten die Treppe herunter, er geht zum BMW und sie zum Porsche, die Familie verabschiedet sich und die Szene ist zu Ende. Genau so diese Woche erlebt. 

Wohnareale werden eingezäunt, es soll auch wirklich kein Fremder in die heile Welt eindringen. Kinderspielplätze nur für Anwohner, bis zum Boden reichende Fenster werden mit Gardinen verhängt, warum hat man dann diese Fenster. Es scheint nur einen Architekten in Potsdam / Babelsberg zu geben, alles monotoner Einheitsbrei. Kindergärten heißen jetzt frühkindliche Bildungseinrichtungen, Kinder sollen nicht so laut sein. 

Potsdam bedient alles was zum Klischee einer Kleinbürger Stadt passt. Man wird schräg angesehen da man sich nicht genug in der Kita engagiert. „Meine Frau kümmert sich und hat schon mehr Arbeitsstunden als ihr beide zusammen“. Seine Frau muss aber auch nicht arbeiten und hat so genug Langeweilezeit. 

Komplizierte, verhaltenskreative Kinder müssen aus der Schule raus, die stören nur. Klassenfahrten werden immer teurer. Auch Kinder müssen schon gestylt herumlaufen und Patchwork ist das vorherrschende Beziehungsmodel. 

Ich muss erstmal runterfahren, mich beruhigen und das alles nur, weil ich gestern durch Potsdam fahren musste und bekloppte Autofahrer erlebt habe. Beim Schritttempo hat man Zeit zu beobachten und nachzudenken.  

Tipps und Co 

Das ist eine subjektive Sichtweise auf die Wahrheit. 

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6 Kommentare Gib deinen ab

  1. babelpapa sagt:

    Diese Wesen sind so austauschbar. Das interessante ist aber das man die Interessanten doch erkennt. Ausstrahlung und der gekonnte Tick zum anders sein.
    Provinz die damit leben kann Provinz zu sein ist okay. Potsdam möchte Großstadt und wichtig sein,ist es aber nicht. Dieser Schlag von Mensch passt dann zu Potsdam.
    Liebe Grüße zurück.

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  2. Ich habe nur 1991/92 mal ein halbes Jahr in Potsdam gearbeitet ind gewohnt, aber das hatte sicher nicht viel mit der heutigen Stadt zi tun. Ich mag Provinz lieber als Berlin mit den ganzen Selbstdarstellern und Möchtegern-Promis und die Prenzelberg -Leute finde ich einfach zum K***, ehrlich gesagt bin ich nicht wirklich traurig, dass ich Berlin wahrscheinlich irgendwann wieder Richtung Provinz verlassen werden. Die Austauschbarkeit der Läden ist inzwischen leider sehr weit breit verbreitet, was ich auch sehr bedaure.
    Liebste Grüße
    Ela

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  3. Es ist mir fast ein bisschen peinlich, aber ich liebe Potsdam schon seit ich 1991 das erste Mal dort war. Klar ist das Publikum ein bisschen Prenzelberg de Lüxe. Aber die wunderbare Architektur, die schönen Parks werden auch das erleben 🙂

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    1. babelpapa sagt:

      Ich habe nicht von den Parks gesprochen, dass ist für mich extra. Für Besuche ist Potsdam bestimmt schön, dann genießt man den Moment. Als Stadt und als gefühlte Wichtigkeit ist Potsdam in meinen Augen Provinz. Sie ist ja auch nicht als Stadt von Welt gegründet und entwickelt wurde. Friedrich II hatte da andere Vorstellungen und das sieht man bis heute. Das Holländerviertel ist von

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      1. babelpapa sagt:

        architektonisch interessant aber mehr auch nicht. Die Läden sind leider auch hier zumeist austauschbar.
        Es ist bestimmt so, man muss hier geboren sein um es zu lieben, muss Tourist sein oder man wohnt in einer Villa mit Garten.

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